Interview zu den Potenzialen von Blockchains mit Dr. Richard Brunner, Chefsyndikus beim Patentdienstleister Dennemeyer und Speaker beim internationalen Blockchain Strategiedialog am 27. November 2017 in Königstein

CINTONA: Womit beschäftigt sich die Dennemeyer Group?

Brunner: Die Dennemeyer Group ist ein führender weltweit tätiger Dienstleister im Bereich des geistigen Eigentums. Unser Spektrum reicht von Patentjahresgebührenzahlungen und Markenerneuerungen, über Intellectual Asset Management Software, bis zu anwaltlicher Beratung durch Rechts- und Patentanwälte. Daneben berät die Consultingsparte Unternehmen in der effizienten Gestaltung von Prozessen im Bereich des Innovationsmanagements und hilft Unternehmen eine belastbare IP Strategie zu entwickeln. Die Dennemeyer Group ist mit Büros in über 15 Ländern vertreten. In allen anderen Ländern arbeiten wir mit Partnern.

CINTONA: Digitalisierung der Geschäftsmodelle – was heißt das für Dennemeyer?

Brunner: Die zunehmende Digitalisierung der Geschäftsmodelle bietet auch für uns die Chance, unsere internen Prozesse effizienter, sicherer und kundenfreundlicher zu gestalten. Digitalisierte Abläufe unterstützen unsere Mitarbeiter und geben ihnen die Möglichkeit, sich auf anspruchsvolle Aufgaben zu fokussieren.

CINTONA:Und wie kommt hier die Blockchain-Technologie ins Spiel?

Brunner: Die Blockchain-Technologie ist für uns aus zweierlei Blickwinkeln interessant: Einerseits könnte sie eine interessante Alternative zu herkömmlichen Zahlungsmethoden im Bereich der weltweiten Schutzrechtsgebührenzahlungen sein und andererseits bietet sie möglicherweise neue Formen der Sicherung und des Schutzes von geistigem Eigentum unserer Kunden und Mandanten. Aus diesen Gründen verfolgen wir sehr genau, was sich hier tut.

CINTONA: Sind Smart Contracts echte Verträge und sind sie wirklich smart?

Brunner:Nein, ganz im Gegenteil: Zunächst einmal sind Smart Contracts nichts anderes als Computercode. Ein Vertrag kommt durch übereinstimmende Willenserklärungen mehrerer Rechtssubjekte zustande. Bei Smart Contracts können zwei oder mehr Parteien sich allenfalls darauf einigen, zur Vertragsdurchführung, also dem Austausch von Leistungen, bestimmte Smart Contracts zu verwenden. Diese Computerprogramme sind derzeit nur in der Lage, sehr simple Ursache-Wirkung-Beziehungen zu verarbeiten. Sie können dagegen keine mehrdeutigen Inputs dahingehend interpretieren, ob eine Bedingung erfüllt ist oder nicht. Genauso wenig können sie den Wahrheitsgehalt von Inputs überprüfen. Nicht zuletzt bieten sie keine flexiblen Reaktionsmöglichkeiten, um den Bedürfnissen der Vertragsparteien in verhältnismäßiger Weise gerecht zu werden. Wenn sich zum Beispiel eine Mietzahlung aus welchem Grund auch immer geringfügig verzögert und der Mieter deshalb keinen Zugang zu seiner Wohnung mehr hat, ist das nicht angemessen.

CINTONA: Werden Beglaubigungsinstanzen und Intermediäre künftig überflüssig?

Brunner: In vielen Bereichen ist das sehr wahrscheinlich. Ich denke es ist offensichtlich, dass für einfache Geldtransaktionen, insbesondere im internationalen Zahlungsverkehr, die Rolle von Banken in Frage gestellt wird. Aber auch im Bereich von Grundbuchämtern und Notariaten könnte Blockchain eine wichtige Rolle spielen.

CINTONA:Warum sollten sich Entscheidungsträger mit Blockchains beschäftigen?

Brunner: Blockchain ist eine junge Technologie, die in ganz unterschiedlichen Anwendungsbereichen und Industrien Alternativen zu bisherigen Arbeitsweisen bieten kann. Entscheidungsträger sollten daher – wie bei allen anderen Innovationen auch – prüfen, inwieweit sich Arbeitsabläufe effizienter, sicherer oder einfacher gestalten lassen.

CINTONA: Wo sehen Sie Blockchain-Anwendungen in 10 Jahren?

Brunner: Ich glaube, dass die Blockchain-Technologie das Potenzial hat, in vielen Bereichen Anwendung zu finden, denn sie bringt im Wesentlichen drei interessante Neuerungen: Das Entfallen des Kontrahentenrisikos, die Entbehrlichkeit eines vertrauenswürdigen Mittlers und die Authentifizierung von Informationen.

Blockchains vereinfachen Rechtsgeschäfte, aber smarte Verträge sind eine Illusion

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